Das Europäische Sprachenportfolio – digital und frei nutzbar
Ab dem neuen Schuljahr steht das Europäische Sprachenportfolio für Lehre, Forschung und die persönliche Nutzung frei zur Verfügung. Der Blogbeitrag von Anna Bütikofer.Vor über 20 Jahren lancierte die EDK das Europäische Sprachenportfolio. Es wurde mit dem Ziel entwickelt, den Sprachenlernenden in Europa eine strukturierte und transparente Möglichkeit zu bieten, ihre sprachlichen Fähigkeiten zu dokumentieren. Jetzt steht das bewährte Instrument digital und frei zugänglich zur Verfügung.
Am 1. März 2001 hat die EDK das Europäische Sprachenportfolio für Jugendliche und Erwachsene (ESP) als Beitrag zum Europäischen Jahr der Sprachen herausgegeben. Die Schweizer Version des Sprachenportfolios gehörte europaweit zu den ersten und diente zahlreichen Ländern als Vorbild. Danach entstanden bis 2008 drei weitere Versionen für verschiedene Altersgruppen, die der Europarat ebenfalls akkreditierte.
Der Portfoliogedanke: Dokumentation und Selbstreflexion
Den Ursprung des Portfolios bildeten zwei Grundgedanken: Erstens sollte es den Lernenden ermöglichen, ihre Fortschritte in verschiedenen Sprachen festzuhalten und zu visualisieren – und zwar sowohl schulisch als auch ausserschulisch erworbene Sprachkenntnisse. Als Grundlage dienen bis heute die Kompetenzstufen des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER). Diese Dokumentation soll die Funktion des Nachweises gegenüber Dritten erfüllen, wie beispielsweise bei Übertritten, Schulwechseln oder Bewerbungen.
Die Schweizer Sprachenportfolios dienten zahlreichen Ländern als Inspiration.
Die Schweizer Sprachenportfolios dienten zahlreichen Ländern als Inspiration.Der zweite Grundgedanke war ein pädagogischer: Die Lernenden sollten ihre Fähigkeiten reflektieren und selbst bewerten. Dadurch sollte die Auseinandersetzung mit Lernzielen und Fortschritten angeregt und schliesslich die Motivation zur Erweiterung ihrer Sprachkenntnisse und interkulturellen Erfahrungen befördert werden.
Im schulischen Alltag erwies sich das gedruckte Portfolio jedoch vielerorts als zu aufwändig in der Handhabung. Die vier Sprachenportfolios, welche bis vor kurzem beim Schulverlag Plus zum Verkauf angeboten wurden, haben sich deshalb nicht für den regelmässigen Einsatz im Sprachenunterricht durchgesetzt. Das Potenzial des Portfoliogedankens hingegen ist in den Nullerjahren sowohl in die Mehrsprachigkeitsdidaktik als auch den modernen Sprachenunterricht eingeflossen. Daher erstaunt es nicht, dass die sprachregionalen Lehrpläne und die Lehrmittel zahlreiche Elemente des Sprachenportfolios übernommen haben.
Die EDK hat im Zuge dieser Entwicklungen beschlossen, die gedruckten Versionen nicht länger zu vertreiben und stattdessen sämtliche Inhalte frei zugänglich zu machen. Die Inhalte und Instrumente der Portfolios stehen damit neu digitalisiert und kostenlos in den Landessprachen und Englisch auf dem schweizerischen Dokumentenserver Bildung (edudoc.ch) zum Download zur Verfügung.
Flexible Einsätze für eine breite Zielgruppe
Die freie Verfügbarkeit eröffnet flexible Einsatzmöglichkeiten und Potenzial für die Weiterentwicklung der digital aufbereiteten Dokumente. Diese lassen sich individuell zur Fortschrittsdokumentation der auf Reisen erworbenen Sprachkenntnisse oder als Hilfsmittel zur Vorbereitung auf Sprachprüfungen einsetzen. Die Forschung kann ihrerseits die Inhalte für eigene Zwecke aufbereiten, beispielsweise für Erhebungen im Bereich des Sprachenlernens. Und nicht zuletzt können auch Unternehmen Elemente des Sprachenportfolios einsetzen, um die sprachlichen Fähigkeiten ihrer Mitarbeitenden zu beurteilen.
Im Fokus der Nutzung stehen jedoch primär Lehrpersonen und Lernende. Warum also nicht den Europäischen Tag der Sprachen zum Anlass nehmen, die eigene Sprachlernbiografie zu beginnen oder fortzuführen? Der Europäische Tag der Sprachen, mit dem die sprachliche Vielfalt Europas gefeiert wird, findet am 26. September 2026 zum 26. Mal statt. Er steht in diesem Jahr unter dem Motto «Sprachen verbinden».


