Umfrage der Wirtschaftsverbände - Einordnung der EDK
Die Wirtschaftsverbände haben schweizweit Ausbildungsbetriebe befragt, ob die Jugendlichen beim Eintritt in die berufliche Grundbildung die Erwartungen der Unternehmen erfüllen in Bezug auf ihre Kompetenzen und Fähigkeiten. Die EDK ordnet ein.
Die Wirtschaftsverbände Schweizerischer Arbeitgeberverband, economiesuisse und der Schweizerische Gewerbeverband haben eine schweizweite Unternehmensbefragung durchgeführt. Die Ausbildungsbetriebe wurden befragt, ob die Jugendlichen beim Eintritt in die berufliche Grundbildung die Erwartungen der Unternehmen erfüllen in Bezug auf ihre Kompetenzen und Fähigkeiten. Die Ergebnisse der Umfrage wurden am 1. September in Form eines Dossiers veröffentlicht.
Das Dossier stützt sich auf eine Umfrage unter den Ausbildungsbetrieben. Der erste Teil gibt einen Überblick über verschiedene wissenschaftliche Perspektiven zu den Grundkompetenzen. Diese weisen auf einen Rückgang der Grundkompetenzen in den letzten Jahren hin (der in allen OECD-Ländern zu beobachten ist). Gleichzeitig werden die Leistungsunterschiede hervorgehoben, die mit den sozialen und sprachlichen Voraussetzungen der Schüler zusammenhängen. Diese Aspekte wurden bereits in den wissenschaftlichen Berichten zu ÜGK und PISA oft thematisiert.
Im zweiten Teil des Dossiers werden die Ergebnisse der Umfrage präsentiert. Dabei ist zu beachten, dass es sich nicht um eine objektive Messung der Kompetenzen der Schüler handelt. Es handelt sich vielmehr um die Einschätzung der Ausbildungsbetriebe mit Blick auf die Kompetenzen der Jugendlichen, die für den Beginn einer betrieblichen Ausbildung als notwendig erachtet werden. Auf der Grundlage des Dossiers ist es leider nicht möglich, den Kompetenzrahmen zu erkennen, der für die Befragung der Unternehmen herangezogen wurde. Der Text scheint vor allem den Schwerpunkt auf Kompetenzen zu legen, die durch die Bedürfnisse der Unternehmen definiert sind (S. 7: «Die mathematischen Grundlagen sind bei vielen Lernenden nicht in dem Mass vorhanden, das die Unternehmen beim Eintritt in die berufliche Grundbildung erwarten»).
Die Bewertung der Erwartungen der Unternehmen werden mit dem Begriff «Grundkompetenzen» verknüpft, der durch die nationalen Bildungsstandards und von PISA formal definiert ist. In der Umfrage werden die erwarteten Kompetenzen der Ausbildungsbetriebe entsprechend in einen direkten Zusammenhang gebracht mit den Ergebnissen von Schulleistungsstudien wie ÜGK oder PISA. Die Verwendung des Begriffs der «Grundkompetenzen» ist im Zusammenhang mit dieser Umfrage falsch. Die Grundkompetenzen in der obligatorischen Schule der Schweiz werden von der EDK definiert. Sie orientieren sich nicht direkt an den Erwartungen der Ausbildungsbetriebe an die Kompetenzen der Jugendlichen nach der Volksschule.
Internationale Schulleistungsvergleiche belegen, dass die Schweiz in allen drei Kompetenzbereichen Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften statistisch signifikant über dem Durchschnitt der OECD liegen. Insbesondere in Mathematik und in Naturwissenschaften erzielen die 15-jährigen Jugendlichen in der Schweiz regelmässig sehr gute Resultate. Die Ergebnisse der Schweiz sind über die letzten drei PISA-Studien (2015/ 2018/2022) hinweg stabil und international betrachtet hoch geblieben.
Eine Herausforderung für die Schulen bleibt der Umgang mit leistungsschwachen Lernenden. Auf verschiedenen Ebenen werden zahlreiche Massnahmen ergriffen, damit möglichst alle Jugendlichen die Grundanforderungen erzielen. Die Kantone unternehmen in diesem Bereich grosse Anstrengungen. Einen Beitrag zur Chancengerechtigkeit leisten zum Beispiel Massnahmen im Bereich der frühen Förderung, der familienergänzenden Betreuungsstrukturen oder der Schulsozialarbeit. Weitere Begleitmassnahmen sind Sprach- und Integrationsförderung oder die Elternpartizipation. Weiter wurde 2015 auf Stufe Sek I die Berufsorientierung gestärkt durch das Projekt «schulische Anforderungsprofile für die berufliche Grundbildung». Dieses Projekt wurde zusammen mit dem Gewerbeverband (sgv) entwickelt. Grundsätzlich wichtig ist ein offenes Bildungssystem mit einer hohen Durchlässigkeit, die nach jedem erzielten Abschluss einen Anschluss erlaubt (Kein Abschluss ohne Anschluss).
In der beruflichen Grundbildung gibt es ein differenziertes und breites Spektrum an Unterstützungsmassnahmen für Lernende an allen drei Lernorten (siehe Link SDBB):
- Berufsfachschule: Lehrpersonen verfügen über viel Kompetenz und Erfahrung in der Begleitung der Lernenden. Grosse Berufsfachschulen verfügen darüber hinaus über interne professionelle Angebote wie die Schulsozialarbeit oder arbeiten eng mit externen Experten und Stellen.
- Betrieb: Die Betriebe bieten je nach ihrer Grösse ebenfalls Massnahmen an, um Lernende - sei es in ihrer fachlichen, sei es in ihrer psycho-sozialen Entwicklung - zu unterstützen. Falls Lernende Schwierigkeiten im Betrieb haben, ist die Lehraufsicht der Kantone gefordert, Lösungen im Sinne der Jugendlichen zu finden.
- Überfachliche Kurse (üK): Auch am sogenannten dritten Lehrort gibt es Unterstützungsmassnahmen, die über den regulären Unterricht hinausgehen. Diese unterscheiden sich von Branche zu Branche und auch von Beruf zu Beruf.
Gerade in der Berufsbildung gelingt es in vielen Fällen, leistungsschwachen Jugendlichen Perspektiven zu eröffnen und sie erfolgreich zu einem Sek-II-Abschluss zu führen. Der Ausbildung im Betrieb fällt hierbei eine Schlüsselrolle zu. Werden die Jugendlichen im Betrieb professionell und ihren Bedürfnissen als Lernende begleitet, so können mögliche Defizite kompensiert und eine positive Entwicklung über die ganze Lehrzeit sowie darüber ausgelöst werden. Bleibt eine solche eine Begleitung aus und/oder kommt es immer wieder zu personellem Wechsel bei den Praxisbildner/innen und Berufsbildner/innen, sinkt automatisch auch die Qualität der Begleitung der Lernenden, was einen direkten Einfluss auf die Leistung und Kompetenz der Jugendlichen hat. Entsprechend häufiger sind Lehrvertragsauflösungen.
